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31.08.2010, 17:11 Uhr | www.lr-online.de, Johannes Frewel
Stilstreit ums Landtagsschloss
Das bislang nur virtuelle Landtagsschloss entwickelt Ähnlichkeiten mit einem in die Jahre gekommenen Zirkus: in regelmäßigen Abständen werden vermeintlich hochtrabende Rösser durch die Manege getrieben, die sich dann im hellen Scheinwerferlicht aber nur als ziemlich als klapprige Gäule entpuppen. Dass der Landtag Wert auf eine zumindest äußerlich eng am Vorbild orientierte Wiederherstellung von Schlossteilen legt, macht er bei jeder sich bietenden Gelegenheit deutlich.
Dumm nur, dass nicht der Landtag, sondern der für alle Landesbauarbeitenzuständige Finanzminister die Zügel in den Händen hält.
Auf dem Weg vom Landtagswillen über das Finanzministerium hin zum Architekten scheint es Übermittlungsverluste zu geben. So soll die zentrale Treppe, wie sie Architekt Peter Kulka nun im Entwurf vorgelegt hat, mit der Rekonstruktion der Treppe seines Barock-Kollegen Knobelsdorff nur wenig zu tun haben. Die Fenster wirktenrechteckig statt oval, berichten Kritiker, das Oval der Kuppel mute dezenter an als im Original. Ganz zu schweigen vom weißen Marmor für die Treppe, grünem schlesischen Marmor für die Wände und weißen Pilastern, die die Abgeordneten im Computermodell so bislang wohl vergeblich suchen.
Der Landtag ist ohnehin ziemlich vergrätzt, weil von dem im Wettbewerbsentwurfhellen, lichtdurchfluteten Plenarsaal wohl nicht mehr viel bleibt und das Präsidium eine Alternative in Augenschein nahm, die von der vereinbartenarchitektonischen Qualität weit entfernt sein soll. Da kommt es auch nicht gut an, dass der alte Marmorsaal des Foyers, der für große Empfänge dienen soll, in der tatsächlichen Bauausführung wohl derart schrumpft, dass er nicht mehr ausreicht. Ganz unglücklich dürfte die Landesregierung über den Zoff wohl nicht sein, denn die Opposition hat sich an dem staubigen Landtagsknochen so richtig festgebissen. CDU-Fraktionschefin Saskia Ludwig mäkelt jedenfalls vernehmlich und wohl auch zu Recht am Schloss, das sich fischig immer wieder konkreten Formen entzieht. Die Frage ist indes, haben die Abgeordneten bei der Begutachtung des Siegerentwurfs gepennt und wichtige Dinge übersehen? Lässt sich das Finanzministerium von Architekt und Baufirma ein Chamäleon unterschieben? Oder gewann Architekt Kulka gerade deshalb, weil er vieles im Ungefähren ließ und damit jeder Abgeordnete sein ganz eigenes interpretieren konnte?
PS: Dass das Landtagsschloss wegen Planungsfehlern später und teurer fertig wird als geplant, überrascht nicht wirklich. Vorsorglich sollten sich dieVolksvertreter einmal mit der Geschichte der Schildbürgerstreiche befassen. Beim Bau ihres pompösen Rathauses vergaßen Schildbürger die Fenster und versuchten vergeblich, das Sonnenlicht nachträglich mit Eimern einzufangen und in die dunkle Bude zu tragen. Mit etwas Aufmerksamkeit wäre zumindest das in Potsdam noch abwendbar.
Auf dem Weg vom Landtagswillen über das Finanzministerium hin zum Architekten scheint es Übermittlungsverluste zu geben. So soll die zentrale Treppe, wie sie Architekt Peter Kulka nun im Entwurf vorgelegt hat, mit der Rekonstruktion der Treppe seines Barock-Kollegen Knobelsdorff nur wenig zu tun haben. Die Fenster wirktenrechteckig statt oval, berichten Kritiker, das Oval der Kuppel mute dezenter an als im Original. Ganz zu schweigen vom weißen Marmor für die Treppe, grünem schlesischen Marmor für die Wände und weißen Pilastern, die die Abgeordneten im Computermodell so bislang wohl vergeblich suchen.
Der Landtag ist ohnehin ziemlich vergrätzt, weil von dem im Wettbewerbsentwurfhellen, lichtdurchfluteten Plenarsaal wohl nicht mehr viel bleibt und das Präsidium eine Alternative in Augenschein nahm, die von der vereinbartenarchitektonischen Qualität weit entfernt sein soll. Da kommt es auch nicht gut an, dass der alte Marmorsaal des Foyers, der für große Empfänge dienen soll, in der tatsächlichen Bauausführung wohl derart schrumpft, dass er nicht mehr ausreicht. Ganz unglücklich dürfte die Landesregierung über den Zoff wohl nicht sein, denn die Opposition hat sich an dem staubigen Landtagsknochen so richtig festgebissen. CDU-Fraktionschefin Saskia Ludwig mäkelt jedenfalls vernehmlich und wohl auch zu Recht am Schloss, das sich fischig immer wieder konkreten Formen entzieht. Die Frage ist indes, haben die Abgeordneten bei der Begutachtung des Siegerentwurfs gepennt und wichtige Dinge übersehen? Lässt sich das Finanzministerium von Architekt und Baufirma ein Chamäleon unterschieben? Oder gewann Architekt Kulka gerade deshalb, weil er vieles im Ungefähren ließ und damit jeder Abgeordnete sein ganz eigenes interpretieren konnte?
PS: Dass das Landtagsschloss wegen Planungsfehlern später und teurer fertig wird als geplant, überrascht nicht wirklich. Vorsorglich sollten sich dieVolksvertreter einmal mit der Geschichte der Schildbürgerstreiche befassen. Beim Bau ihres pompösen Rathauses vergaßen Schildbürger die Fenster und versuchten vergeblich, das Sonnenlicht nachträglich mit Eimern einzufangen und in die dunkle Bude zu tragen. Mit etwas Aufmerksamkeit wäre zumindest das in Potsdam noch abwendbar.
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